Mein Versuch, die Müritz laufend zu umrunden
Lange haben wir uns auf dieses Ereignis vorbereitet. Wir, das ist ein Team aus unserem Lauftreff sowie Moni K. und ich als Alleinumrunder. Hartmut und Moni M. waren unsere Begleiter. Bereits im Frühjahr hat Moni M. für unsere Gruppe 2 Ferienwohnungen direkt an der Müritz gebucht. So freuten wir uns auf ein schönes Wochenende in Sietow-Dorf.
Am Freitag nach der Arbeit ging die Reise los. Es gehörte einiges an logistischer Planung dazu. Das Team hatte vereinbart, die Gesamte Müritz gemeinsam laufend und radelnd zu umrunden. Deshalb mussten 7 Fahrräder mit an die Müritz.
Das war eine Herausforderung, die wir mit viel Spaß gemeistert haben. Die Gruppe verteilte sich auf 2 Pkw, während Hartmut und ich den Fahhradtransport mit dem Bulli übernahmen.
Ich führ mit Hartmut direkt nach Waren, um dort die Startnummern zu besorgen, während die anderen sich um die Unterkunft kümmerten. Alles verlief ruhig, und irgendwann saßen wir dann in dem kleinen, gemütlichen Fischrestaurant in unserem Feriendorf und ließen es uns schmecken.
Am Samstag Morgen hieß es Früh aufstehen. Da wir Einzelläufer bereits um 8 Uhr an der Startlinie stehen mussten, während die Teamläufer eine Stunde später starteten.
Um 6 Uhr gab es heißen Kaffee und ein Lunchpaket für jeden. Das Personal gab sich hier viel Mühe, uns gut und wunschgerecht zu versorgen.
Um 7:45 Uhr waren wir dann tatsächlich startbereit und fuhren nach Waren. Nun hatten Moni und ich noch genügend Zeit, uns auf den Start vorzubereiten. Das Team begleitete uns zum Start. Noch schnell alle drücken, Moni viel Erfolg wünschen, dann ging er los, mein langer Lauf um die Müritz.
Langsam setzte sich das Läuferfeld in Bewegung, und ich war mittendrin. Ich fand schnell meinen Rhythmus und hing meinen Gedanken nach. Kurz nach dem Start wurde ich von einem jungen Läufer angesprochen. Er fragte mich ganz locker „na, was gab es heute zum Frühstück?“ Ich antwortete spontan „ein Stüllchen und ein Käffchen“ J
Es entwickelte sich ein kurzes, angenehmes Gespräch. Irgendwann fragte ich ihn, ob ich ihn kennen müsste. Es war so angenehm, mit ihm zu reden, aber wir kannten uns nicht. Das beruhigte mich. Bei meinem schlechten Personengedächtnis kann man ja nie wissen. J
Ich erfuhr, dass er zum ersten Mal auf einer so langen Distanz unterwegs ist. Er erzählte mir von seiner Vorbereitung, die sich sehr vernünftig anhörte. Irgendwann wollte ich aber nicht mehr reden. Das kostet mich zu viel Kraft. Ich sagte es ihm, wünschte ihm viel Glück, und er ließ mich verständnisvoll ziehen.
Ich kam gut voran. Nachdem wir die Stadt Waren verlassen hatten, gab es eine sehr schöne Strecke durch den Wald. Hier fühlte ich mich richtig wohl. Immer wieder begegnete mir mein junger Freund. Er hatte auch einen sehr netten Fahrradbegleiter dabei. Wir wechselten jedes mal ein paar Worte und machten später noch Fotos.
Nach ca. 20 km verließen wir den schönen Wald, und von nun an ging es fast nur noch auf asphaltierten Straßen und Radwegen weiter. Das gefiel mir gar nicht.
Hinzu kommt, dass es an den weit auseinander gezogenen Verpflegungsstellen keine kräftigende, ultralaufgerechte Versorgung gab. Es wurden Äpfel, Melonen, ab und zu Bananen, Wasser und Cola angeboten. Lediglich ein Schälchen Salz stand an jedem Verpflegungspunkt zur Verfügung. Davon wurde mir dann irgendwann übel.
Da ich bereits um 6 Uhr gefrühstückt hatte, und danach nirgends feste Nahrung bekam, gab es für mich einen Hungerast. Nach ca. 40 km machten sich die ersten Krämpfe in den Waden bemerkbar. Kurz vor Röbel begegnete mir noch mal mein Junger Freund. Ich überholte ihn und wünschte ihm weiterhin viel Glück.
In Röbel gab es wieder einen großen Verpflegungspunkt. Hier hoffte ich nun endlich handfeste Nahrung zu bekommen. Wenigstens ein paar Salzstangen, eine Schmalzstulle oder etwas Brühe habe ich mir gewünscht. Aber nein, es gab wieder nur Äpfel, Melonen, Schokolade, einen Teller Saltz, Wasser und Cola. Nun war ich mental doch am Ende.
Ich versuchte enttäuscht weiter zu laufen. Es fiel mir immer schwerer. Nach und nach überholten mich dann auch die Radbegleiter unserer Staffel. Alle versuchten mich aufzumuntern, aber bei mir ging fast nichts mehr.
Dann kam Ramona. Sie war bereits in einer Staffel gelaufen und begleitete nun eine andere Läuferin auf ihrem Weg. Als sie mich leiden sah, beschloss sie spontan, bei mir zu bleiben, und mich bis ins Ziel zu begleiten. Das fand ich total lieb. Vielen Dank noch mal an dieser Stelle an Ramona und alle, die mich so lieb unterstützt haben. Aber ich musste dann auch Ramona weg schicken. Die Krämpfe in den Beinen waren so schmerzhaft, das ein laufen fast nicht mehr möglich war. Ich schaltete meinen Garmin bei km 52 aus und begann zu wandern.
Es waren nur noch ca. 3 km bis Sietow. Dort wartete Hartmut auf mich. Mit einem kurzen Anruf habe ich ihn informiert, dass ich den Lauf beendet habe.
Während ich dann wanderte, begegnete mir mein junger Freund ein letztes Mal. Nun zog er langsam an mir vorbei, und ich hoffte und wünschte mir sehr, dass wenigstens er durchkommt.
Nach 3 km wandern sammelte mich Moni mit dem Auto ein. Als wir in der Unterkunft waren, ging es mir schon wieder richtig gut. Schnell habe ich mich geduscht, und dann sind wir mit Hartmut in Richtung Ziel gefahren. Leider haben wir den Zieleinlauf unseres Staffelteams verpasst. Das Team hat super funktioniert, und sie waren richtig schnell.
Während wir noch auf unsere Moni K. warteten, die ihren ersten Ultralauf unbedingt finishen wollte, gab es auch noch viele schöne Momente. Es machte Spaß, die glücklichen Ultra-Finisher zu sehen. Nach 08:56:51 h passierte auch mein junger Freund überglücklich die Ziellinie. Nun konnte ich ihm wenigstens noch gratulieren und nach seinem Namen fragen. Ich glaube, er hieß André. J
Unsere Moni kam nach 09:13:31 h ins Ziel. Sie hatte sich etwas verlaufen und ist deshalb etwa 5 km mehr gelaufen. Das war ärgerlich, aber sie war trotzdem sehr glücklich. Nun gehört sie auch in die große Familie der Ultraläufer.
Anschließend verstauten wir schnell wieder die Fahrräder in meinem Bulli und fuhren gemeinsam in unser Feriendorf, wo es ein leckeres Abendbrot im Restaurant gab. Mit einem Gläschen Sekt beendeten wir den schönen Tag.
Später gibt es auch noch Bilder :-)