Mein langer Weg nach Schmiedefeld
Rennsteiglauf Supermarathon. Ich freue mich wie ein kleines Kind auf das Wochenende mit Freunden und auf diesen schönen Lauf.
Endlich ist es soweit. Die Anreise am Freitag verlief wie geplant. Ich starte mit Andrea und Manuela, die bei mir bereits übernachtet hatten, nach dem Frühstück in Richtung Schmiedefeld. Dort nehmen wir die Schlüssel für unser Landhaus in Empfang und fahren anschließend nach Oberhof, um die Startunterlagen für den Halbmarathon abzuholen und Steffen für den 17 km Nordic-Walking-Wettbewerb anzumeleden.
Während dessen war Steffen in Neuhaus, um dort die Startunterlagen für 12 Marathonis in Empfang zu nehmen. Diesen Service hatte er im Vorfeld angeboten, weil er bereits seit einer Woche vor Ort Urlaub machte. Steffen hatte auch für uns bereits 20 Plätze im Restaurant „Henne“ bestellt, wo wir uns immer wieder gerne vor dem großen Lauf einen gemütlichen Abend machen.
Es blieb noch ein wenig Zeit für einen Spaziergang zur Festwiese. Dort trafen wir die Gruppe der Streakrunner. Nachdem wir uns alle herzlich begrüßt hatten, wurde es Zeit, die Schritte in Richtung Henne zu lenken. Dort trafen dann auch nach und nach alle Teilnehmer unserer Lauftreff-Lauftreffgruppe ein. Es gab Thüringer Rostbrätl und andere leckere Speisen.
Dann wurde es langsam Zeit, den Abend zu beenden. Für uns Supermarathonis klingelte um 2.30 Uhr der Wecker. Manuela bereitete uns ein leckeres Frühstück. Sie konnte sich noch 2 Stunden Zeit nehmen, bevor sie gemeinsam mit Steffen im Shuttlebus nach Oberhof gefahren ist.
Die Streakrunner-Supermarathonis kamen mit zum Frühstück. Das hatten wir am Vorabend vereinbart.
Gemeinsam wanderten wir dann um 3.15 Uhr zu unserem Shuttlebus. Dieser sollte um 3.30 Uhr abfahren. Es standen bereits viele Läuferinnen und Läufer an der Haltestelle.
Es gab herzliche Begrüßungen mit Freunden, dann fuhren auch schon die Busse vor. Alles verlief reibungslos. Schnell waren die Sportler in die Busse gestiegen, die dann auch sofort im Convoy nach Eisenach fuhren.
Nach ca. 1,5 Stunden kamen wir in Eisenach an. Es war noch genügend Zeit, die Startunterlagen abzuholen und sich auf den Start vorzubereiten. Die persönlichen Sachen wurden in gelben Plastiktüten auf den bereitgestellten LKW´s verstaut, dann gab es noch ein Gruppenfoto,
und schon standen wir am Start.
Pünktlich um 6:00 Uhr wurden wir mit dem Rennsteiglied auf die Strecke geschickt.
Mein Rennsteiglaufbericht
Voller Vorfreude stehen wir am Start. Alle sind aufgeregt und schwatzen durcheinander. Es wird fotografiert, gelacht, noch letzte Tipps gegeben und über Zielzeiten geplaudert.
Dann ertönt das Rennsteiglied, und schon setzt sich das große Läuferfeld langsam in Bewegung.
Ich hatte geplant, diesen Lauf, wie im letzten Jahr, mit Wolfgang zu laufen. Andrea wollte sich uns anschließen. Aber sie war bereits am Start verschwunden. Auch mit mehrfachem lauten Rufen und ständigen suchenden Blicken war sie nicht mehr zu finden. Also bin ich wie geplant, mit Wolfgang gelaufen.
Es hat richtig Spaß gemacht. Meine Beine liefen wie von allein, und Wolfgang machte seine Späßchen. Er blieb treu an meiner Seite, und er fotografierte pausenlos. Wir waren guter Dinge. Ein wenig traurig war ich aber, weil wir Andrea verloren hatten. Ich hatte mich auf unseren gemeinsamen Lauf sehr gefreut. Aber da ich nicht mal wusste, ob sie vor oder hinter uns war, hatte es auch keinen Zweck, zu warten.
Nach 25 km erreichten wir den Gipfel des Inselsberges.
Damit war auch der meist gefürchtete Anstieg bewältigt. Herrlich, wir freuten uns, machten noch einige Fotos, und schon ging es weiter. Irgendwann sagte Wolfgang zu mir, das wir heute eine Zeit unter 9 Stunden schaffen können. Bis dahin hatte ich mir über die Zeit noch gar keine Gedanken gemacht. Aber ich war dann auch seiner Meinung. So leicht und locker bin ich lange nicht gelaufen. Also nahmen wir Kurs auf eine gute Zeit. Aber da hatte ich mich gründlich verrechnet. Solch ein Spiel mag meine Psyche gar nicht. Es war vorbei mit der Lockerheit. Nun hatte ich ständig Angst, Wolfgang und mich zu bremsen. Ich traute mich auch nicht mehr, das Tempo zu drosseln, obwohl ich es gerne getan hätte. Und dann kam, was kommen musste. Der Mann mit dem Hammer war da.
Ab km 30 war bei mir alles vorbei. Ich wollte nicht mehr laufen. Ich wollte keine Zeit mehr unter 9 Stunden, und ich wollte auch keinen Wolfgang mehr. Ich wollte nur noch meine Ruhe haben. Und so bat ich Wolfgang, mich alleine zu lassen. Aber da hatte ich die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Wolfgang ist keiner, der einfach davon läuft. Seine überzeugte Antwort auf meine Bitte war „Ich bin nicht 30 km mit Dir gelaufen, um Dich jetzt aleine zu lassen“. Ich hatte keine Chance, ihn irgendwie los zu werden.
Doch dann kam bei ca. km 35 die Rettung in Gestalt von Andrea. Plötzlich stand sie an einem Verpflegungspunkt strahlend neben uns. Endlich haben wir uns gefunden. Da war bei mir die Freude groß.
Nun ging es ein kleines Stück zu dritt weiter, bevor Andrea dann wieder schnell meinen Blicken entschwand. Nun war es auch nicht mehr schwer, Wolfgang davon zu überzeugen, dass für ihn ein Lauf mit Andrea heute besser passt. Ich hatte mir gerade ernsthaft vorgenommen, das ich am Grenzadler, bei km 56 den Lauf beenden werde. Das kann man dort mit Wertung und mit Würde tun. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich schon 40 km in den Beinen, und diese wollten nicht mehr laufen. Wie soll ich das bloß schaffen. Wo doch jetzt schon nichts mehr geht.
Aber nun waren meine beiden Begleiter tatsächlich meinen Blicken entschwunden. Ich lief wieder in meinen eigenen Rhythmus, und ich erreichte die Ebertswiese. Hier wird jeder Läufer namentlich aufgerufen und ich höre aus dem Lautsprecher, dass dies meine 19. Teilnahme beim Rennsteiglauf ist. Schon fühle ich mich verpflichtet, auch im nächsten Jahr wieder hier zu laufen.
Ich stärke mich mit Haferschleim, einem knackigen Wiener Würstchen, wunderbaren Schmalzstullen und verschiedenen Getränken. Ich genieße das volle Programm, befreie auch meine Schuhe von kleinen Steinchen und trabe endlich locker weiter.
Auf einmal geht es mir wieder besser. Als ich das 45 km Schild erreiche, waren bereits alle Probleme wie weggeblasen. Ich konnte wieder locker laufen, habe ständig überholt und alle Gedanken an einen Ausstieg waren verflogen.
Am Grenzadler sah ich schon von weitem das Zieltor, und ich musste schmunzeln. Hatte ich jemals ernsthafte Gedanken, hier auf den Bus zu warten? Ja, ich hatte sie. Und ich habe wieder einmal mehr gemerkt, das ich meinen Körper nicht überlisten kann. Ich darf ihn nicht unter Druck setzen. Ich muß ihn einfach nur laufen lassen, dann habe ich auch Spaß an meinen Läufen.
Kurz vor der Schmücke erreichte mich ein Anruf von Wolfgang. Dabei erfuhr ich, dass er mit Andrea bereits drei Kilometer Vorsprung hatte. Beiden ging es gut, und sie wussten nun, dass auch ich gut durchkommen würde.
Ich hatte nun noch etwa 10 Kilometer zu laufen. Hier ging es fast nur noch bergab. Mir fiel das Laufen hier auch nicht mehr schwer. Keine Spur von körperlichen oder muskulären Problemen. Es hat wieder richtig Spaß gemacht, und die 15 Kilometer Leidensweg waren bereits im Ziel vergessen.
Und für den Rennsteiglauf 2012 bin ich nun auch schon gemeldet. ![]()
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